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Die kleine grüne Oase

Eine der interessantesten Schrebergartenanlagen Essens befindet sich eingekeilt zwischen Lunemannsiepen, Vierhandbank, Hubertstraße und dem Schönscheidtshof. Bis etwa 1973 war der Blick von der unteren Lunemannsiepen über die Anlage einfach grandios: Blickte man von den ersten Etagen der Wohnhäuser über die Anlage hinweg, hatte man einen freien Blick bis zu den Ausläufern des Hallo-Parks in Stoppenberg. Auf der rechten Seite blickte man auf den Morgensteig in Schonnebeck mit seiner einzigartigen Windmühle; man konnte den Eindruck gewinnen, Schonnebeck sei ein kleines Bergdorf. Rechts daneben ragten der Förderturm der Zeche Joachim und ein riesiger Industrieschornstein fast majestätisch in die Höhe.

Der Ausblick ist nach wie vor überwältigend, nur sind in den Jahren 1973/74 die Windmühle, der Förderturm und der Schornstein verschwunden. Hinter der Gartenanlage befand sich das Schienennetz der Zechenbahn, das Joachim mit Katharina verband. Die Schienen sind längst verschwunden, heute führt dort ein Spazierweg entlang.

Die beiden Haupteingänge der Gartenanlage befinden sich in der oberen Lunemannsiepen und an der Kreuzung Vierhandbank/Hubertstraße. Dazwischen gibt es noch zwei kleine Eingänge in der Lunemannsiepen, nahe Vierhandbank, und in der Vierhandbank gegenüber der Einmündung zum Fischweiher. In der Hochzeit der Industrie bildete die Gartenanlage, eingekeilt von den beiden Zechen Joachim und Katharina sowie dem Stahlwerk Buderus, den Menschen in diesem Viertel eine Art grüne Lunge. Hier verbrachten die Pächter, meist Kumpel und Stahlkocher, ihre Wochenenden. Aber nicht nur zur Erholung dienten die Parzellen, hier wurde auch Gemüse für den täglichen Bedarf angebaut, wie z.B. diverse Kohlsorten, Salat, Spinat. Der Obstanbau begrenzte sich im wesentlichen auf Äpfel und Birnen. Nicht wenige Pächter hatten auch kleine Blumenbeete. Der Großteil der Gärten war gepflegt, allerdings gab es auch vereinzelt schon einmal eine Parzelle, die eher dem Ersatzteillager einer Autowerkstatt glich.

Im Herzen der Anlage befindet sich eine Gartenwirtschaft, die bei besonderen Anlässen geöffnet ist, wie z.B. Familienfeiern der Pächter oder das einmal jährlich stattfindende Gartenfest. Hinter dem Gebäude befindet sich eine kleine betonierte Fläche, auf der sich die Tanzwütigen nach Herzenslust austoben können. Daneben ist eine Grünfläche, die mit Tischen und Bänken ausgestattet jeder durstigen Kehle und jedem hungrigen Magen Platz bietet. In den 60er und frühen 70er Jahren waren die einmal jährlich im Spätsommer stattfindenden Gartenfeste einer der „kulturellen“ Höhepunkte im Viertel. Selbstverständlich waren auch alle Nicht-Pächter herzlichst eingeladen (brachten diese doch Geld in die Kassen des Schrebergartenvereins). Jung und Alt konnte sich an einem Wochenende vergnügen und beim Frühschoppen am Sonntagmorgen konnten die Männer heftig über das Bundesligageschehen vom Vortag und im besonderen über das Abschneiden ihres Vereins Rot-Weiß Essen, dem liebenswerten Kultverein von der Hafenstraße, diskutieren. Meist herrschte bis zum Abend eine ausgelassene und friedfertige Atmosphäre. Alles hätte so schön sein können, hätte es nicht einige Störenfriede gegeben. Diese Störenfriede waren Otto K. und seine fröhlichen Zechkumpanen. Zwischen Otto K. und dem Alkohol bestand eine tiefe und innige Liebe. So bald er einen über den Durst getrunken hatte, neigte er nicht selten zur Gewalttäigkeit. Das gleiche galt im übrigen auch für seine Zechkumpanen. Da sie in der Vergangenheit schon mehrfach bei einem Gartenfest durch Unruhe und -frieden unangenehm aufgefallen waren, hatte man ihnen für das Gartengelände Hausverbot erteilt. Otto und seine Kumpanen störte das aber herzlich wenig, bestand für sie bei einem Gartenfest doch die Möglichkeit, für wenig Geld viel Bier und Spirituosen zu konsumieren. Sobald die Zecherrunde auftauchte, war die ausgelassene Stimmung mit einem Schlag dahin und gleich nach dem Genuß des ersten Bieres und Schnapses ließ es sich Otto nicht nehmen, mit den anwesenden Gästen einen Streit anzufangen, der in der Regel in eine Schlägerei ausartete. Bei den letzten Gartenfesten bekamen sie gar nichts mehr ausgeschenkt, Grund genug für Otto und seine Spießgesellen, gleich einmal das Mobiliar „gerade zu rücken“. Ihre Besuche endeten damit, daß von der Polizeiwache im Kamblickweg ein Einsatzwagen zur Hilfe geholt werden mußte. So sorgten Otto & Co. dafür, daß in den nächsten Jahren keiner der Schrebergartenpächter mehr Lust auf ein Gartenfest hatte.
 

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© Hildegard Salewski, 9.2004 - 2014