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Wenn der Klüngelskerl kommt

Ein Beruf mit langer Tradition ist der des Lumpensammlers, im Ruhrgebiet auch Klüngelskerl genannt.

Auch heute gibt es den Klüngelskerl noch, doch sammelt er heutzutage ausschließlich Altmetalle aller Art. Das war nicht immer so. Bis Anfang der 70er Jahre gehörten zu seinen begehrten Objekten neben Metallen auch noch Altpapier, Holz und ausrangierte Kleidung. In Zeiten, als es noch keine Sammelbehälter für Papier und Kleidung gab, konnte man auch mit diesen Stoffen eine gute Mark machen.

Professionelle Sammlungen verschiedener Organisationen und Geschäftemacher sowie flächendeckende Sammelcontainer haben spätestens seit Beginn der 80er Jahre die Preise hierfür in den Keller sinken lassen. Deshalb haben sich die Klüngelskerle in erster Linie auf Altmetall spezialisiert und nennen sich dementsprechend Altmetallhändler.

Ebenso hat sich das Erscheinungsbild des Klüngelskerl geändert. Kamen sie früher mit ihren Pferdewagen, so klappern sie heute mit kleinen Lastwagen (die vom Erscheinungsbild eher auf einen Schrottplatz als auf die Straßen gehören) die Viertel ab. Einzig die Flötenklänge, mit denen sie sich bemerkbar machen, sind geblieben. Nur mit dem Unterschied, daß sie heute nicht mehr selber in die Flöten pusten, sondern daß die markanten Melodien vom Band kommen. Waren das noch Zeiten, als sie mit ihren Pferdewagen durch die Viertel zogen.

Für uns Kinder in der Lunemannsiepen war es immer ein kleines Erlebnis, wenn der Klüngelskerl durch unsere Straße fuhr. Zum einen war das gemütlich vor sich hin trabende Pferd ein herziger Anblick, zum anderen rankten sich um den Klüngelskerl selber die abenteuerlichsten Geschichten und Legenden. Daß er in Wirklichkeit ein Geschäftsmann war, der sich mit den ausrangierten Alltagsgegenständen der Wirtschaftswunderlandgesellschaft seinen Lebensunterhalt verdiente, war eigentlich keinem so recht bewußt.

Wenn er mit seinen Flötenspiel sein Kommen ankündigte, rannten wir eiligst in die Keller, um irgendwas herauszusuchen, was man ihm für ein paar Groschen verkaufen konnte. Meist waren es alte Zeitungen und Illustrierten, die er gegen einen kleinen Obolus dankbar entgegennahm. Wenn er dann ein paar Groschen oder sogar mal ein silbernes Geldstück (50 Pfennige) zückte, hatte man sofort das Gefühl gehabt, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Das gute Geschäft hatte natürlich er, der Klüngelskerl gemacht, hatte er doch eine Riesenmenge an Papier zum Spottpreis erworben. Das Geld verweilte natürlich nicht lange bei uns, denn was gab es schöneres, als es gleich wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen? An der Bude bekamen wir für das Geld einen entsprechenden Gegenwert in Form von Süßigkeiten (Klümpkes zum Schnuppen).

Wie schon erwähnt, das Erscheinungsbild des Klüngelskerl hat sich in den letzten Jahrzehnten gewaltig verändert. Damit ist auch ein Stückchen Ruhrgebiets-Heile-Welt-Idylle verloren gegangen.
 

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© Hildegard Salewski, 9.2004 - 2014