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Gehn wa zum Schulfest

Wer kennt sie nicht, die alte Hauptschule an der Soester Straße, den Älteren auch noch als Barbaraschule bekannt? Im Zuge der großen Schulreform 1967 wurde aus der katholischen Barbaraschule die Hauptschule an der Soester Straße, während aus der evangelischen Volksschule Joachimschule die gleichnamige Grundschule wurde.

Die Hauptschule ist in der heutigen Zeit eher zu einem Auslaufmodell verkommen, eine Schulform, die bei den meisten Zeitgenossen nur noch ein müdes Lächeln oder ein verächtliches Naserümpfen hervorruft. Heutzutage gilt die Hauptschule als ein Sammelbecken für schulische Versager. Verschiedene negative Vorkommnisse in diversen Einrichtungen haben zum äußerst negativen Image dieser Schulform wesentlich dazu beigetragen.

Aber nicht immer hatte die Hauptschule ein so schlechtes Image. In den 1960er und 1970er Jahren konnte man mit einem Hauptschulabschluß noch einen richtig guten Beruf erlernen und anschließend sogar im Beruf Karriere machen. Damals genoß die Hauptschule noch einen relativ guten Ruf, war sie doch neben den Realschulen und Gymnasien eine gleichberechtigte Schulform. Doch diese Zeiten sind lange vorbei.

Im Zentrum von Kray war die Hauptschule an der Soester Straße weit und breit die einzige Schule, die den Schüler ab dem 4. Schuljahr eine vernünftige Schulbildung garantierte. Am Lehrpersonal gab es nicht viel auszusetzen. Sie waren fachlich kompetent und besaßen, von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, das nötige pädagogische Fingerspitzengefühl. Die Altersspanne des Lehrpersonals war breit gefächert. Diese reichte von ganz jungen Lehrern, die gerade frisch von der Universität kamen, bis hin zu solchen, die schon seit Jahrzehnten im Beruf waren und kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter standen. Dementsprechend bunt war auch die Palette ihrer pädagogischen Maßnahmen im disziplinarischen Bereich. Die jüngeren Lehrer regelten und lösten heikle Situationen und Konflikte meist auf verbaler Ebene, während eine etwas ältere Lehrerin öfter mal das pädagogische Fingerspitzengefühl in kritischen Momenten vermissen ließ. Bei ihr flog dann schon einmal ein Stück Kreide oder ein Schlüsselbund durch die Gegend.

Die Hauptschule an der Soester Straße war eine recht eindrucksvolle Einrichtung. Neben großzügigen Klassenräumen verfügte die Schule über eine Aula, eine Küche für den Hauswirtschaftsunterricht, einem großzügigen Werkraum, einem Chemieraum sowie einem Fotolabor. Einrichtungen, von der so manch andere Schule inklusive kleinerer Gymnasien nur träumen konnten.

Damals wie heute ist ein Schulfest eine Art Öffentlichkeitsarbeit, um der Bevölkerung einmal einen Einblick in das Gebäude zu geben. Allerdings waren Schulfeste in der Hauptschule an der Soester Straße eher eine Seltenheit. Eigentlich kann ich mich nur an ein Schulfest erinnern und das fand im Juni 1972 statt. Dem Ereignis ging eine monatelange sorgfältige Planung voraus. Im Werkunterricht wurden diverse Spielmöglichkeiten und Gegenstände für einen großen Basar gebastelt, Eltern der Schüler wurden um Sachspenden für die Cafeteria gebeten.

Der Wettergott meinte es am Tag des Schulfestes, einem Samstagnachmittag, besonders gut. Das Fest fand in den Schulklassen im Parterre und auf dem Schulhof statt. Die Aula in der zweiten Etage wurde in eine Disco umfunktioniert. Während sich die Eltern bei Kaffee und Kuchen oder Bratwurst, Erfrischungsgetränken und Bier die Zeit vertreiben konnten, widmeten sich die Kinder und Jugendlichen den Spielmöglichkeiten, die in vielen Stunden Werkunterricht und in der Werk-AG entstanden waren. So hatte man z.B. Porträts der Lehrer auf große Holzscheiben geklebt, die man per Ball abschießen konnte. So gab es den einen oder anderen Lehrer, den man besonders gerne abschoß.
Meinen damaligen Klassenraum hatte man zur Cafeteria umgebaut. Eine kleine Notiz am Rande: An der großen Wand gegenüber der Tafel hatte irgendwer den kompletten Starschnitt aus der Bravo von Deep Purple aufgehangen und mit kunstvoller Schrift „The Die Deep Purple“ drübergeschrieben.

Ein Stück Kuchen kostete 50 Pfennige und 30 Pfennige eine Tasse Kaffee. Bei diesen Leckereien konnten die Muttis ausgiebig den allerneuesten Klatsch untereinander austauschen.
À propos Muttis: Die Väter waren anfänglich in der Minderheit. Diese kamen etwas später, weil viele von ihnen anfangs live das Geschehen von Rot-Weiß Essen (Regionalliga West, damals zweite Liga), dem liebenswerten und sympathischen Kultverein von der Hafenstraße, oder dem FC Schalke 04 (Bundesliga) verfolgen mußten. Nachdem sie ab 18.00 Uhr nach und nach eintrudelten, konnten sie bei Bier und Bratwurst das aktuelle Geschehen der Fußballbundesliga ausgiebig diskutieren. Wer live an der Hafenstraße oder in der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn dabei war, der hatte natürlich besonders viel zu erzählen.

Die Jugendlichen freuten sich schon auf den späten Nachmittag/frühen Abend, weil zu diesem Zeitpunkt die Disco in der Aula anfing. Deep Purple, The Sweet, T. Rex oder Slade konnten aus Kostengründen und Platzmangel für einen Liveauftritt zwar nicht verpflichtet werden, ihre Hits sowie alles, was damals in den Hitparaden stand, dröhnte dafür aus der Lautsprecheranlage und heizte den Tanzwütigen mächtig ein.

Ich kann mich nicht daran erinnern, ob es in den kommenden Jahren noch einmal ein Schulfest in der Hauptschule an der Soester Straße gegeben hat. Jedenfalls war das Schulfest von 1972 mehr als gelungen. Alle Beteiligten und alle Besucher dürften einen mehr als unterhaltsamen Nachmittag verlebt haben. Allen, die an der Planung und Durchführung beteiligt waren, gebührt ein dickes Lob.
 

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© Hildegard Salewski, 9.2004 - 2014