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"Kopfnüsse" made in Italy

Zu den großen Kinoklassenschlagern der 1970er Jahre gehörten die sogenannten Prügelfilme aus Italien. Die Handlungen waren eher nebensächlich, lief in diesen Streifen alles auf eine spaßige Massenkeilerei im Showdown hinaus.

Die Entstehung dieses Filmphänomens war eher reiner Zufall. Initiatoren waren die beiden italienischen Regisseure Enzo Barbione (der einige Filme unter dem Pseudonym E. B. Clucher inszenierte) und Sergio Corbucci. Die beiden hatten in den 1960er Jahre einige sehr erfolgreiche Italo-Western gedreht. Als Ende der 1960er Jahre das Publikumsinteresse an diesen meist sehr brutalen und bleihaltigen Filmen nachließ, kamen sie auf die Idee, den Anteil von Gewalt durch Humor zu ersetzen. Bei den hiesigen Produzenten stießen sie damit zunächst auf wenig Interesse. Sie glaubten aber an ihr Konzept und inszenierten 1969 "Die linke und die rechte Hand des Teufels". Dieser humorige Western wurde auf Anhieb ein Publikumserfolg und machte seine beiden Hauptdarsteller Terence Hill und Bud Spencer bei einem großen Publikum schlagartig bekannt.

Der Film war so erfolgreich, daß 1971 die Fortsetzung "Vier Fäuste für ein Halleluja" entstand, der 1972 einer der ganz großen Kassenschlager in Deutschland war. Einen entscheidenden Anteil am Erfolg im deutschsprachigen Raum hatte die Synchronisation der Berliner Synchronstudios unter der Regie von Rainer Brandt, der nebenbei Terence Hill seine Stimme lieh. Er legte den beiden Hauptakteuren jede Menge lustiger Sprüche in den Mund und traf damit den Nerv des Publikums. Dieses Konzept hatte er bereits 1970 bei den deutschen Fassungen der Krimiserien "Ihr Auftrag Al Mundy" und "Jason King" erfolgreich angewandt und in der eher lauen Krimiserie "Die Zwei" auf die Spitze getrieben (ohne Rainer Brandts spritzige Sprüche wäre die Serie mit Roger Moore und Tony Curtis längst vergessen). Mit jedem weiteren Film mit Terence Hill und Bud Spencer trieb Rainer Brandt die Synchronisation auf die Spitze, die ihren Höhepunkt 1975 in „Zwei Missionare“ fand.

Wie bereits erwähnt, "Vier Fäuste für ein Halleluja" war 1972 einer der großen Kassenschlager in den bundesdeutschen Kinos, und in keinem anderen Land dürfte der Film so viel Geld eingespielt haben wie bei uns. Ein noch größerer Kassenschlager war ihr nächster Film "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle", eine laue Abenteuerkomödie, die sich irgendwo im Niemandsland in Lateinamerika abspielte.

Die Deutschlandpremiere von "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" fand 1973 in der Essener Lichtburg (wo auch sonst!!) statt. Die Anwesenheit der beiden Hauptdarsteller stieß auf ein reges Medieninteresse. Das dieser banale Film einer der großen Kassenschlager des Jahres 1973 war, versteht sich von selbst. Das Publikumsinteresse an den beiden Stars aus Italien war so groß, daß eiligst einige Filme mit den beiden inszeniert wurden. Ob als Duo oder solo, ihre Filme wollte man sehen. So landeten Terence Hill mit "Mein Name ist Nobody" und Bud Spencer mit "Sie nannten ihn Plattfuß" und zusammen mit Guiliano Gemma mit "Auch die Engel essen Bohnen" 1974 echte Kassenschlager. Um diesen Boom auszunutzen, brachten die Verleiher ältere Filme mit Terence Hill und Bud Spencer unter neuen Titeln in die Kinos. Einer der negativen Höhepunkten dieser zweifelhaften Vermarktung war der Django-Film "Django und die Bande der Gehenkten". Seinerzeit wollte kaum ein Mensch diesen äußerst brutalen Western mit Terence Hill in der Hauptrolle sehen. Auf dem Höhepunkt des Erfolges der Terence Hill- und Bud Spencer-Filme kam der Film in gekürzter Fassung mit einer Spaßsynchronisation unter dem Titel "Joe, der Galgenvogel" in die Kinos, stieß aber auf ein eher geringes Publikumsinteresse.

Da sich die Filme mit Terence Hill und Bud Spencer als echte Kinoknüller entpuppten, versuchten andere italienische Produzenten, sich ein dickes Stück von dem äußerst lukrativen Kuchen zu sichern. Es wurden eiligst Klamotten im gleichen Stil produziert, die sich aber allesamt als Flops entpuppten. Das Publikum wollte seinen Terence Hill und seinen Bud Spencer und nicht irgendwelche Imitate. Einer der skurrilsten Einfälle windiger Produzenten war 1975 das Duo Michael Coby und Paul Smith, das dem Originalduo bis aufs Haar glich. Allerdings ließ sich das Publikum nicht für dumm verkaufen und verweigerte den Klonen den Zuspruch (den sie eh nicht verdient hatten).

Auch in der zweiten Hälfte der 1970er Jahren stießen die Filme mit Terence Hill und Bud Spencer noch auf ein großes Publikumsinteresse, wobei Bud Spencer mit seinen Filmen erfolgreicher war als Terence Hill. Das lag allerdings daran, daß er wesentlich mehr Filme machte. Fast jedes Jahr kam ein neuer Film mit Bud Spencer in die Kinos. Titel wie "Plattfuß in Afrika", "Plattfuß am Nil", "Hektor, der Ritter ohne Furcht und Tadel", "Der Dicke und das Warzenschwein", "Der Dicke und der außerirdische Kleine", "Sie nannten ihn Plattfuß" oder "Buddy haut den Lukas" deuten darauf hin, daß es sich hier eher um rustikale Filme für schlichtere Ansprüche handelt.

Anspruch hin, Blödsinn her - die Einspielergebnisse dieser Filme ließen die Kinobesitzer jubeln und machten Bud Spencer zu einem echten Topstar, dessen Gagen so manchen amerikanischen Actionstar jener Zeit vor Neid erblassen ließ (lediglich seine amerikanischen Kollegen Burt Reynolds und Steve McQueen dürften zu jener Zeit besser verdient haben als er). Um im Gegensatz zu vielen US-Stars hatte es ein Bud Spencer (wie auch sein Kollege Terence Hill) nicht nötig, um durch irgendwelche Skandälchen jeglicher Art im Gespräch zu bleiben. Das Publikum konnte sicher sein, daß ihn ein Film mit jeder Menge Spaß, flotter Sprüche, einer turbulenten Handlung (?) und jeder Menge spaßiger Keilereien erwartete. Wenn Bud Spencers mächtige Hände zulangten und den Gegnern Kopfnüsse und dutzendweise blaue Augen verpaßte, blieb beim Publikum kein Auge trocken.

Die Deutschlandpremiere von "Hektor, der Ritter ohne Furcht und Tadel" fand im Frühjahr 1977 in der Lichtburg statt.

Für Bud Spencers Einzug in die Lichtburg hatten sich die Veranstalter eine besonders pfiffige (oder bizarre?) Idee einfallen lassen: Auf einem Pferd mit einer Lanze bewaffnet ritt Bud Spencer vom Hauptbahnhof entlang der Kettwiger Straße zur Lichtburg. Klar, daß Buddy von seinen zahlreichen Fans bejubelt wurde. So spektakulär sein Einzug in die Lichtburg auch war, so bescheiden war der Film. Aber gut, wer sich für diesen Film entschieden hatte, der hat mit Sicherheit keinen Film mit Tiefgang oder Anspruch erwartet.

Bis Anfang der 1980er Jahre spielten die Filme Bud Spencer und Terence Hill viel Geld in die deutschen Kinokassen, dann hatte das Publikum den doch immer gleichen Handlungsablauf satt, und so wollte spätestens ab 1984 kein Mensch mehr diese Filme sehen. Höhepunkt war 1995 eine Fortsetzung von "Die linke und die rechte Hand des Teufels" und "Vier Fäuste für ein Halleluja" betitelt mit "Die Troublemaker". Nach nur drei Tagen in der Lichtburg wurde der Film aus dem Programm genommen wurde, weil er gerade einmal zwei Dutzend Zuschauer angelockt hatte. Was 2 Jahrzehnte zuvor ein Kassenschlager geworden wäre, erwies sich Mitte der 1990er Jahre als Kassengift. Tja, so ändern sich die Zeiten.

Davon einmal abgesehen, die Filme mit Terence Hill und Bud Spencer paßten in die damalige Zeit wie ihre Fäuste auf des Gegners Augen. Und Spaß haben sie gemacht und waren mit ihrer unfreiwilligen Ironie um einiges besser als die verbissenen und brutalen amerikanischen Actionfilme, die ab den 1980er Jahren vor allem durch das Medium Video ihr Publikum fanden. Außerdem waren Terence Hill und Bud Spencer von einem ganz anderen Kaliber als z. B. Jean-Claude van Damme, Steven Seagal, Arnold Schwarzenegger, Chuck Norris und Konsorten. Sie verkörperten halt die liebenswerten Helden, eine zeitgemäße Version von Oliver Hardy und Stan Laurel. Hier stand eben die Unterhaltung und nicht das sinnlose Gemetzel im Vordergrund.
 
 

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