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Alles in Butter mit Lutter (Ein Kommentar zur neuen ZDF-Serie "Lutter")

Nach fast 27 Jahren dient Essen wieder (oder endlich einmal wieder) als Kulisse für eine Krimiserie.

Die Rede ist von "Lutter", der neuen Krimiserie im ZDF, die seit März 2007 gezeigt wird. Die Macher von "Lutter" haben das Potential von Essen erkannt, denn anders als in den üblichen Brennpunkten der Schwerkriminalität wie Berlin, Hamburg oder München bietet Essen wie überhaupt das Ballungsgebiet Ruhrgebiet ungeahnte Möglichkeiten, in dem Drehbuchautoren ihr "kreatives" Potential ausschöpfen und auf die Spitze treiben können. Das machte schon Episode 1 "Essen is fertig" deutlich: Neben dem handelsüblichen, in solchen Krimiserien unverzichtbaren Mord, mußte sich die Hauptfigur Lutter durch ein Gestrüpp aus Mauscheleien und Korruption innerhalb der Kommunalpolitik kämpfen. Diese Machenschaften, im Volksmund "Roter Filz" (bei den Kölnern heißt das "Kölscher Klüngel"), genießen einen schon fast legendären Ruf und gehören zum Revier wie dat Pilsken oder das Gipfeltreffen zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund.

In der Episode "Essen is fertig" hat der Außenstehende einen tiefen Einblick in das Leben der Essener: Nicht nur, daß die Kommunalpolitiker korrupt sind bzw. daß zwischen ihnen und dem Geld eine sehr tiefe und innige Liebe besteht, auch die Russenmafia treibt hier fröhliche Urstände (ihr Fazit: Wenn in Essen nichts mehr zu holen ist, dann machen sie sich über Dortmund her. Eine Aussage, die den Gelsenkirchenern und Bochumern mit Sicherheit nicht gefallen dürfte, denn schließlich besteht das Ruhrgebiet nicht nur aus Essen und Dortmund!). Außerdem gibt es einen seit Jahrhunderten existierenden Geheimbund (fehlte eigentlich nur, daß sich dessen Mitglieder mit weißen Kapuzen in der Öffentlichkeit zeigen).

Und die Essener Kriminalpolizei hat sehr ausgefallene Ideen, wenn es darum geht, ein Verbrechen aufzuklären: Da inszenieren sie eine Gefangenenbefreiung auf der Köln-Mindener-Straße, Ecke Josef-Hoeren-Straße (natürlich mit Zollverein im Hintergrund) und verstecken den Befreiten auf dem Gelände einer längst stillgelegten Zeche (wo auch sonst). Apropos Zechen: Hier zeigen uns die Macher von "Lutter", daß sie mit der Zeit gehen. Während zu Zeiten von Kommissar Haferkamp (Gott hab ihn selig) Zollverein noch aus allen Schloten rauchte, muß man sich bei "Lutter" halt mit stillgelegten Zechen zufrieden geben. Überhaupt wird sich der geneigte Außenstehende wundern, daß in Essen kaum noch Schlote qualmen und so sein festgefahrenes Bild von Essen und vom Ruhrgebiet im allgemeinen etwas ins Wanken gerät. Das ist insofern interessant, wenn man sich einmal vor Augen hält, welch düsteres Bild vom Ruhrgebiet noch bis Ende der 1980er Jahre in den Tatort-Episoden mit Schimanski gezeichnet wurde. Gut, Essen ist nicht Duisburg. Aber so schlimm, wie Duisburg in den damaligen Tatort-Episoden dargestellt wurde, ist es auch wieder nicht (obwohl, wie sagte doch ein Arbeitskollege von mir: "In dieser Stadt möchte ich noch nicht einmal tot überm Gartenzaun hängen"). Besaß Kommissar Heinz Haferkamp einst so etwas wie Kultur, in dem er in seiner knapp bemessenen Freizeit daheim recht anspruchsvolle Jazzmusik (z. B. Miles Davis) hörte, so erleben wir Lutter bei rustikaleren Freizeitaktivitäten, in dem er Fußball spielt (natürlich in einem rot-weißen Dress).

Lange Rede, kurzer Sinn, wie einst schon in den Tatorten mit Hans-Jörg Felmy so trieft es auch in "Lutter" nur so vor Klischées. Immerhin, daß Essen nach 27 langen Jahren endlich wieder einmal die (äußerst attraktive) Kulisse einer Krimiserie bildet, war schon längst überfällig. Wenn die Drehbuchautoren in der Zukunft bessere und interessante Geschichten auf Lager haben und weniger mit festgefahrenen Vorurteilen arbeiten, dann kann man von "Lutter" noch einiges erwarten. Schalkes Fußballidol Ernst Kuzzorra würde das mit den Worten "Dat ich dat noch miterleben darf" kommentieren.

© by Claus Salewski, April 2007

Nachtrag: Leider lief Anfang September 2010 die letzte Folge von "Lutter". Die Serie wurde eingestellt, da der Hauptdarsteller Joachim Król zur ARD-Serie Tatort wechselt. Somit gibt es Essen vorläufig nicht mehr als Krimischauplatz.

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© Hildegard Salewski, 9.2004 - 2014