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Freddy, komm bald wieder

Zwischen 1956 und 1967 war Freddy Quinn im deutschsprachigen Raum ein echter Superstar. In dieser Zeit gelangen ihm in Deutschland 28 Top 10-Hits, 10 davon standen auf Platz 1. Ab 1968 begann sein Stern zu sinken, seine Singles erreichten nur noch mittelmäßige Hitparadenplazierungen. Auch wenn seine Platten nicht mehr an die Verkaufszahlen der Hits seiner „goldenen Jahre“ heranreichten, so war auch in den 1970er und 1980er Jahren seine Popularität ungebrochen. Seine zahllosen Auftritte in diversen Unterhaltungssendungen des Fernsehens oder eine eigene Fernsehshow Ende der 1970er Jahre mit Country- und Westernmusik belegen das. Und der gute Freddy zeigte sich enorm vielseitig: Ob seine alten Hits mit verklärter Seefahrerromantik, Country & Western (?!), als Darsteller in Operetten, Musicals, bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg oder als Artist in „Stars in der Manege“ – kein Metier war dem vielseitigen Österreicher fremd und überall gab er eine äußerst gute Figur ab.

Mit den beginnenden 1990er Jahren wurde es merklich stiller um Freddy Quinn. Als sich seine Fans damit abgefunden hatten, daß sich ihr Star wohl zur Ruhe gesetzt haben könnte, tauchte er ab Mitte des Jahrzehnts mit einem eigenen Musical wieder auf. Dieses Musical nannte sich „Große Freiheit Nr. 7“, das er, basierend auf den gleichnamigen UFA-Film von Helmut Käutner, bereits Mitte der 1980er zusammen mit Victor Bach komponiert hatte. Mit diesem Musical ging er dann auf Tournee und sorgte für volle Hallen.

Die überwiegend positive Publikumsresonanz scheint ihn wohl Ende der 1990er Jahre beflügelt zu haben, noch einmal als Solist auf Tournee zu gehen. Die Tournee war als „Freddy Quinn Gala“, eine Art Abschiedstournee, betitelt und sollte all seinen Fans die Gelegenheit bieten, ihren Star noch einmal live auf der Bühne zu sehen. Diese Tournee führte ihn 1999 auch in die Essener Grugahalle. Nun, warum soll man sich eine solche Gelegenheit entgehen lassen. Alleine wäre ich zu diesem Konzert wohl nicht hingegangen (hört, hört!). Deshalb ließen es sich meine Mutter und meine Freundin nicht zweimal sagen, mich zu dieser Veranstaltung zu begleiten.

Eintrittskarte Grugahalle

Als wir die Grugahalle betraten, war ich erstaunt, daß das Publikumsinteresse an Freddy Quinn eher mäßig war. Kurz vor Konzertbeginn waren lediglich die Plätze auf dem Parkett besetzt, auf den Rängen an den Hallenwänden, die einen Großteil der Plätze in der Grugahalle ausmachen, herrschte gähnende Leere.

Pünktlich um 20.00 Uhr betrat der Star des Abends die Bühne und begrüßte das Publikum. Zuerst einmal lobte er in höchsten Tönen das phantastische Essener Publikum. Schließlich war es die Grugahalle, in der er bei seiner allerersten Tournee sein erstes Konzert gegeben hatte (ja, ja, „Schön, schön, schön war die Zeit“). Dann wies er das Publikum darauf hin, während seines Auftritts nicht zu fotografieren. Ein Blitzlichtgewitter würde ihm bei seiner Arbeit stören. Für ein Erinnerungsfoto würde er sich später noch zur Verfügung stellen. Und er wies ausdrücklich darauf hin, daß Film- und Tonbandaufnahmen aus rechtlichen Gründen strengstens verboten seien und daß er, falls er feststellen sollte, daß irgendwer filmen würde, seinen Auftritt sofort abbrechen würde (Nun, ich glaube kaum, daß ein Freddy-Quinn Bootleg auf sonderlich großes Interesse gestoßen wäre).

Nach dem formellen Teil legten Freddy und sein exzellentes Orchester los. Freddy bot genau das, was das Publikum von ihm erwartete: Hits, Hits und nochmals Hits. Die sind in seinem Programm so reichhaltig vertreten, daß er einen Auftritt locker auf vier Stunden ausdehnen kann. Ob er nun „Heimweh“, „Heimatlos“, „Unter fremden Sternen“, „Die Gitarre und das Meer“, „La Paloma“, Junge, komm bald wieder“ oder „100 Mann und ein Befehl“ sang – der überwiegende Teil des Publikums konnte die Lieder Wort für Wort, Zeile für Zeile mitsingen. Obwohl Freddy Quinn zum damaligen Zeitpunkt immerhin schon fast 68 Jahre alt war, machte er doch einen sehr vitalen Eindruck. Sein Programm reicherte er mit bekannten Liedern aus Operette, Musical, Film, Country & Western und internationaler Folklore an. Welcher Interpret ist schon in der Lage, nacheinander „Junge, komm bald wieder“, „Danny Boy“, „Ol‘ Man River“, „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“ und den Al Jolson-Klassiker „Sonny Boy“ zu singen? Nach „Sonny Boy“ wollte er das nächste Lied anstimmen, doch dann entdeckte er im Publikum ein schwaches rotes Licht aufflackern. Freddy vermutete sofort, daß jemand heimlich eine Videokamera mitlaufen ließ und unterbrach seinen Auftritt. Er war sichtlich erleichtert, als eine verlegen dreinschauende Frau einen Leuchtstab in die Höhe hielt und daß es nicht irgendwer wagte, heimlich seinen Auftritt mitzuschneiden (Ob sich ein Konzertmitschnitt mit dem Titel „Freddy Live In Concert“ oder „Freddy In Essen“ wohl gut verkaufen würde?).

Nach der Hälfte des Konzerts löste Freddy sein Versprechen ein und bat all diejenigen an den Bühnenrand, die wild darauf waren, unbedingt ein Foto von ihm zu schießen zu wollen. Er machte gute Miene zum für ihn unangenehmen Spiel („Das große Spiel“?) und ließ das gemäßigte Blitzlichtgewitter einige Minuten über sich ergehen. Anschließend machte er erst einmal eine Pause von 15 Minuten, um für den zweiten Teil seines Auftritts Kraft zu tanken.

Der zweite Teil des Konzerts begann mit einem Feuerwerk seiner zahlreichen Hits. Auch wenn ich nicht unbedingt ein Freund seiner Hits bin, so konnte ich doch einen Großteil dieser Lieder mitsingen. Irgendwann setzte er sich eine Soldatenmütze auf und kündigte ein Lied von leider trauriger Aktualität an. Dieses Lied hieß „100 Mann und ein Befehl“, sein letzter Nummer 1-Hit aus dem Jahre 1966. Angesichts des damals wütenden Balkankonflikts traf seine Ankündigung zu.

Nach etwas mehr als zwei Stunden plus einigen Zugaben endete die „Freddy Quinn Gala“. Man kann dem Star des Abends bescheinigen, daß er sich größte Mühe gegeben hatte, sein Publikum zu unterhalten. Selbst wer kritisch mit dem Namen Freddy Quinn umgeht, kommt nicht umhin, ihm zu bescheinigen, daß er ein exzellenter Unterhalter ist, der über ein erstaunlich großes musikalisches Repertoire verfügt und der weiß, wie er sein Publikum unterhalten muß. Kurzum, die „Freddy Quinn Gala“ bot einen mehr als unterhaltsamen Abend.
 

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© Hildegard Salewski, 9.2004 - 2014