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Hey Mal, was ist heute dabei?

Im Herbst 1976 zog eine Veranstaltung unter dem Motto „Pop Disco“ durch die Bundesrepublik Deutschland. Das Rahmenprogramm dieser Veranstaltungen bildeten Johnny Wakelin, Boney M und Smokie. Eine der Stationen dieser Tournee war Anfang Dezember die Essener Grugahalle.

Zwischen den Auftritten sorgte der populäre WDR-Moderator Mal Sandock für Stimmung. Auf den Eintrittskarten konnte man seinen derzeitigen Lieblingshit notieren, die Mals fleißige Helfer aussortierten und daraus eine Hitparade erstellten, die der gute Mal dann dem Publikum servierte.

Hinter der Bühne war eine große Leinwand aufgebaut, auf der dann kleine Filme der jeweiligen Gruppen und Solisten abliefen. Und zu gewinnen gab es auch noch etwas, denn aus allen Teilnehmern wurden jede Menge Gewinner ausgelost. Auch ich gehörte zu den glücklichen und durfte zwischen einer LP von Boney M („Take The Heat Of Me“), Johnny Wakelin („Africa Man“) und Smokie („Midnight Cafe“) wählen. Nun, diese Auswahl war nicht gerade prickelnd und so entschied ich mich für das meiner Meinung nach kleinste Übel dieser drei LP’s, „In Zaire“ von Johnny Wakelin.

Pünktlich wie ein Maurer betrat Mal Sandock unter dem frenetischen Beifall des Publikums die Bühne und begrüßte die Popfreunde in der randvollen Grugahalle. In seiner ganz eigenen Art zog er diverse Späße und Dönnekes ab und kündigte dann den ersten Act des Abends an: Johnny Wakelin.

Johnny legte gleich mit seinen beiden Hits „Black Superman (Muhammad Ali)“ und „In Zaire“ los und hatte damit gleich das Publikum auf seiner Seite. Von seinem Auftritt hatte ich mir nicht all zu viel versprochen, war aber überrascht, was für ein gutes und vielseitiges Programm er und seine Begleitband boten. Neben seinen beiden Tophits bot er diverse Lieder aus seinen beiden LP’s „In Zaire“ und „Africa Man“ und krönte einen mehr als gelungenen Auftritt mit seiner aktuellen Single „Africa Man“, die Anfang 1977 immerhin bis in die Top 10 der deutschen Hitparade kam (Im Nachhinein wundert es mich doch ein wenig, daß dieser doch recht gute und vielseitige Sänger nach „Africa Man“ gleich wieder in der Versenkung verschwand). Mit seinem gelungenen Auftritt hatte er das Publikum auf seine Seite gezogen, das vehement nach einer Zugabe verlangte. Die bekam es auch in Form von „In Zaire“ und „Africa Man“. Meinetwegen hätte sein Auftritt noch länger dauern können, doch nach knapp 40 Minuten war Schluß. Johnny Wakelin war von den Eindrücken dieser Tournee wohl selber so beeindruckt, daß er diese in dem Lied „28 Days In Deutschland“ festhielt (dieses Lied erschien auf der LP „Africa Man“), in dem er übrigens auch Essen erwähnte.

Die Zeit bis zum nächsten Act überbrückte Mal Sandock damit, daß er auf der Großbildleinwand einige kleine Filmchen einspielen ließ, in denen Status Quo „Wild Side Of Life“ und sehr zur Freude der Mädchen die Bay City Rollers „Yesterday’s Hero“ zum besten gaben. Anschließend stand Boney M auf dem Programm. Das Gesangsquartett hatte wenige Monate zuvor im heißen Sommer mit „Daddy Cool“ ihren ganz großen Durchbruch geschafft. Mit diesem von Frank Farian geschriebenen und produzierten Titel hatte die Gruppe europaweit die Hitparaden aufgemischt. Mit „Daddy Cool“ legte die Gruppe auch gleich los. Die Musik und der Gesang kamen vom Band, was allerdings niemanden störte. Viel entscheidender war die Show, die Liza Mitchell, Mazie Williams, Marcia Barett und allen voran Bobby Farell abzogen. Bei Bobby hätte man meinen können, er stünde die ganze Zeit unter Starkstrom. Wie ein Irrer fegte er über die Bühne und zog dabei Posen ab, die nicht ganz jugendfrei waren. Das musikalische Programm bestand darin, daß ihre erste LP „Take The Heat Of Me“ plus ihre neue Single „Sunny“ abgespielt wurde. Das war dem Publikum eigentlich schon wieder egal, es ging begeistert mit und verlangte anschließend nach einer Zugabe. Die bekam es auch, Bobby Farell kommentierte diese mit den Worten: „...und wenn ihr nachher nach Hause kommt, sagt dem braunen Opa zu Hause Bescheid, wir sind Boney M. Ich danke euch dafür mit einer Zugabe. Hier kommt „Sunny“ (Ein solch weiser und bedeutungsschwangerer Satz verdient besondere Anerkennung. Da soll noch einer sagen, Popmusiker seien dumm und ungebildet!!).

Nach der musikalischen Delikatesse präsentierte Mal Sandock erst einmal die Auswertung der Ad-Hoc Hitparade. Einige Titel wurden per Schallplatte abgespielt, andere Titel gab es auf der Leinwand zu sehen. Die genaue Reihenfolge kann ich im nachhinein nicht mehr sagen. Auf jeden Fall waren es aktuelle Hits, die mich nicht gerade vom Hocker rissen. Soweit ich mich noch erinnern kann landeten auf Platz 4 Smokie mit „I’ll Meet You At Midnight“, auf Platz 3 Abba mit „Money, Money, Money“, auf Platz 2 die Bay City Rollers mit „I Only Wanna Be With You“ und auf Platz 1 Smokie mit ihrer brandneuen Single „Living Next Door To Alice“. Besser hätte der Übergang zum Topact des Abends nicht sein können, denn nach einigen Schlußworten stürmten unter tosendem Applaus Smokie auf die Bühne. Die Gruppe war seit knapp eineinhalb Jahren gut im Geschäft und erfreute sich vor allem in Deutschland großer Beliebtheit. Mit „If You Think You Know How Love Me“, „Don’t Play Your Rock’n’Roll To Me“, „Something’s Been Making Me Blue“, „Wild Wild Angels“ und „I’ll Meet You At Midnight“ war der Gruppe aus dem englischen Bradford schon eine Reihe von Hits gelungen und ihre neue Single „Living Next Door To Alice“ schickte sich an, ein ganz großer Hit zu werden (was sie dann auch wurde: zwischen dem 07.02.1977 und dem 10.04.1977 stand sie für 9 Wochen an der Spitze der deutschen Hitparade).

Wer nun erwartet hatte, der Auftritt würde sich zu einem lauen Pophappening entwickeln, sah sich schnell getäuscht. Chris Norman, Pete Spencer, Alan Silson und Terry Uttley legten dermaßen los, daß man hätte meinen können, man sei bei einem Konzert einer Hard- oder Heavyband. Wie dem auch sei, Smokie gaben sich Mühe, spielten auch artig ihre Hits und ein Großteil des Publikums, das nur wegen Smokie gekommen war, schwelgte in Glückseligkeit. Da ich der Gruppe nun einmal gegenüber skeptisch bzw. ablehnend eingestellt war, konnte mich ihr Auftritt nicht überzeugen. Mit dem Abstand von mittlerweile 3 Jahrzehnten muß ich der Gruppe zugestehen, daß sie einen wirklich vorzüglichen Auftritt hingelegt haben.

Nach fast zweieinhalb Stunden war die Veranstaltung dann vorbei und jeder ging zufrieden nach Hause. Im Großen und Ganzen war es eine gelungene Veranstaltung, die mehr wert war, als sie Eintritt gekostet hatte. Oder wo kann man  heutzutage für den Preis von 10 DM noch eine Veranstaltung mit drei aktuellen Gruppen und einem ansprechenden Rahmenprogramm sehen?
 

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© Hildegard Salewski, 9.2004 - 2014