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Wenn Peter der Große kommt

Neben Udo Jürgens ist der am 30. März 1926 als Peter Alexander Neumeier geborene Wiener einer der ganz wenigen langlebigen Größen in der deutschen Unterhaltungsszene.

Und er gehört zu den Ausnahmeerscheinungen im Showgeschäft, die keine Skandale brauchen, um im Gespräch zu bleiben. Einen entscheidenden Anteil an seinem Erfolg hatte seine im Jahr 2003 verstorbene Ehefrau Hilde, die ihn stets clever und mit viel Gespür für den Geschmack des Publikums gemanagt hat.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und nach kurzer englischer Gefangenschaft beginnt der junge Peter Neumeier ein Medizinstudium. Das gibt er aber nach kurzer Zeit wieder auf und widmet sich einer Schauspielausbildung auf dem berühmten Max-Reinhard-Seminar. Nach der erfolgreichen Ausbildung kürzt er seinen Namen in Peter Alexander und sucht sein Glück zunächst beim Film.

Seine erste Filmrolle bekam er 1952 in dem Spielfilm „Königin der Arena“. Parallel dazu startete er eine Karriere als Sänger. 1954 gewann er in Wien einen Sängerwettbewerb vor Vico Torriani und Gerhard Wendland, zwei Interpreten, die wenig später selbst erfolgreich sein sollten. Mit dem Titel „Das machen nur die Beine von Dolores“ wurde er im gleichen Jahr bekannt. Von nun an ging es Schlag auf Schlag, jede neue Peter Alexander Single wurde ein Hit. Die erfolgreichsten Titel sind „Der Mond hält seine Wacht“ (1955), „Eventuell“ (1956, im Duett mit Caterina Valente), „Ich weiß, was dir fehlt“ (1957), „Das tu ich alles aus Liebe“ (1957), „Bambina“ (1958), „Mandolinen und Mondschein“ (1959), „Ich zähle täglich meine Sorgen“ (1960), „Bist du einsam heut‘ nacht“ (1961), „Wenn erst der Abend kommt“ (1963), „Schenk mir ein Bild von dir“ (1965), „Moderne Romanzen“ (1967), „Verbotene Träume“ (1967), „Der letzte Walzer“ (1967), Delilah“ (1968) und „Liebesleid“ (1969).

Neben seiner Karriere als Sänger spielte er bis Anfang der 70er Jahre in über 40 Kinofilmen wie z.B. „Die Abenteuer des Grafen Bobby“, „Peter schießt den Vogel ab“, „Im weißen Rößl“ oder „Hurra, die Schule brennt“ mit, die allesamt echte Kassenschlager wurden. Auch zu Beginn der 70er Jahre setzte er seine Erfolgsserie nahtlos fort. Entscheidenden Anteil daran hatte seine Fernsehshow „Peter Alexander präsentiert Spezialitäten“, die, zwar nur auf eine Ausgabe im Jahr begrenzt, Rekordeinschaltquoten erzielten. Bei seinen umjubelten und bis auf den letzten Platz ausverkauften Konzerten präsentierte das nicht zu bändigende Energiebündel ein buntes Programm für jede Altersklasse.

Nach den beiden eher mageren Jahren 1977/78 landete er Mitte 1979 mit „Und manchmal weinst du sicher ein paar Tränen“ erneut einen großen Hit. Die Nachfolgesingle „Schwarzes Gold“ verfehlte die deutschen Top 10 nur knapp. Eine anschließende Tournee entwickelte sich für ihn zu einem wahren Triumphzug. Wo er auch auftrat, waren selbst die größten Hallen bis auf den letzten Platz ausverkauft. Eine der Stationen dieser Tournee war die Grugahalle in Essen.

Meine Mutter war seit den 1950er Jahren ein Fan von Peter Alexander und wollte ihn gerne einmal live auf der Bühne sehen. So selbstlos und uneigennützig wie ich nun einmal bin, erklärte ich mich, wenn auch nur widerwillig, bereit, sie zu dem Konzert in die Grugahalle zu begleiten. Für knapp 50,00 DM sicherte ich im Vorverkauf zwei Plätze im vorderen Bereich des Parketts.
Knapp eine Stunde vor Konzertbeginn war die Grugahalle schon zur Hälfte gefüllt und das Publikum fieberte dem Auftritt seines Stars entgegen. Schließlich war Peter der Große erstmals seit Jahren wieder zu Gast in der Grugahalle.

Etwa 20 Minuten vor Beginn des Konzerts verteilten die Mitglieder des Mülheimer Peter-Alxeander-Fan-Clubs Autogrammkarten ihres Stars an die Besucher im Parkettbereich (leider habe ich diese doch recht ansprechende Autogrammkarte wenig später einem Brieffreund aus der DDR überlassen, der sie nicht zu würdigen wußte).

Punkt 20.00 Uhr betrat Peter Alexander unter frenetischem Applaus seiner Fans die Bühne und sang zur Begrüßung, mit der Unterstützung des Orchester Dieter Reith, seinen Hit „Und manchmal weinst du sicher ein paar Tränen“. Das überwiegend weibliche Publikum schmolz bei diesem etwas schnulzigen Titel förmlich dahin. Nachdem er sein Publikum auf das herzlichste begrüßt hatte, präsentierte er ein sehr abwechslungsreiches Programm aus seinen alten Hits, Liedern aus seiner aktuellen LP, Volksliedern und Operettenmelodien und zog dabei sämtliche Register seines Könnens. Dazwischen brachte er seine allseits bekannten Hans Moser- und Paul Hörbiger-Parodien, oder er machte sich über den damals alles beherrschenden Discosound lustig. Die Parodie war wirklich gelungen, verpaßte er der damals sehr erfolgreichen Amanda Lear eine volle Breitseite (auf die Melodie des großen Amanda Lear-Hits „Follow Me“ sang er: „Schaut her zu mir, ich bin die Amanda Lear...“). Auch wenn diese Parodie etwas zotig anmutete, eine gewisse Originalität konnte man ihr nicht absprechen. Als er schließlich „Schwarzes Gold“ sang, stand die Grugahalle Kopf. Und das aus gutem Grund, schließlich war „Schwarzes Gold“ der erste Schlager, der sich mit dem Ruhrgebiet, eine der schönsten und liebenswertesten Regionen Deutschlands, beschäftigte. Wie auf Kommando betrat eine Gruppe Kumpels die Bühne und ernannte Peter Alexander zu ihren Ehrensteiger. Sichtlich überrascht und gerührt nahm er eine Grubenlampe entgegen.

Als sich das Konzert dem Ende entgegen neigte, verlangte das Publikum vehement nach Zugaben. Die bekam es auch in Form eines Medley seiner größten Hits. Allein mit seinen Hits der Jahre 1955-1979 hätte er schon ein ganzes Konzertprogramm füllen können. Und, oh Schreck, Titel wie „Delilah“, „Komm und bedien‘ dich bei mir“, „Der letzte Walzer“, „Oh Lady Mary“, „Hier ist ein Mensch“ oder „Die kleine Kneipe“ konnte ich mühelos mitsingen. Für einen Anhänger progressiver Klänge (?) wie mich ist das schon sehr bedenklich.

Wie bereits erwähnt hatte ich zuerst wenig Lust, mir das Konzert von Peter Alexander anzutun. Am Ende war ich doch ganz überrascht, wie gut es mir gefallen hatte. Es war schon beeindruckend, wie der damals knapp 52jährige Peter Alexander einen perfekten Auftritt hinlegte. Bleibt festzustellen, daß es solch perfekte Entertainer heute nicht mehr gibt, die ihr Eintrittsgeld einfach wert sind bzw. die für das Eintrittsgeld einen entsprechenden Gegenwert sprich perfekte Unterhaltung abliefern. Eine sehr bedenkliche Entwicklung, wenn man bedenkt, daß man für den Preis, den ich damals für zwei Karten bezahlt habe (aufgerundet etwa 25 €) heute noch nicht einmal einen Möchtegernstar aus dem B-Lager zu sehen bekommt.
 

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Hier einige Fotos vom Konzert 1979 in der Grugahalle:

Konzert Peter Alexander

Konzert Peter Alexander

Konzert Peter Alexander

Konzert Peter Alexander

© Copyright Fotos Claus Salewski

 

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