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Verdamp lang her

Lieder mit kölschen Texten verband ich eigentlich immer mit Karneval. Wenn man sich einmal das populäre Liedgut der Kölner Szene seit den 1950er Jahren anhört, dann ist meine vorgefasste Meinung gar nicht mal so falsch. Denn das, was Solisten wie Jupp Schmitz und Willy Millowitsch sowie Gruppen wie De Blääck Föös boten, tendierte eindeutig in Richtung Karneval bzw. Stimmungslieder.

Dann tauchte zur Jahreswende 1979/80 mit BAP eine Gruppe aus Köln auf, die zwar kölsche Texte sangen, die musikalisch wie textlich aber meilenweit von Karneval und Bierzeltstimmung entfernt waren. Musikalisch boten Wolfgang Niedecken und seine Mitspieler zeitlich aufgepeppte Rockmusik mit starken Einflüssen von Bob Dylan und den Rolling Stones, textlich teilweise kritisch und politisch.
Als ab 1981 die sogenannte Neue Deutsche Welle förmlich explodierte, schaffte auch BAP langsam, aber sicher ihren Durchbruch, obwohl ihre Musik meilenweit von der Schlichtheit der NDW entfernt war. Wolfgang Niedeckens Texte waren halt ein ganz anderes Kaliber als die der NDW-Cracks, gingen diese eher in Richtung Liedermacherszene.

1981 erschien ihre dritte Langspielplatte „Für usszeschnigge“, die die Gruppe bundesweit bekannt machte und fast ein Jahr nach Veröffentlichung sogar bis auf Platz 1 der LP-Hitparade kam. Ab dem Sommer 1982 füllte BAP mühelos die größten Hallen und Sportstadien. Der Höhepunkt war in diesem Sommer ein frenetisch gefeierter Auftritt beim Rockfestival auf der Loreley, wo sie alles in Grund und Boden spielten und sogar den Top-Act dieser Veranstaltung, Steve Miller, alt aussehen ließen.

Diesen großen Erfolg hätten sich die Musiker Anfang des Jahres wohl nicht erträumen lassen. Ihre damalige Tournee führte sie durch eher kleine Hallen und Säle. Dabei machten sie auch Station in Essen, wo sie in der Aula der ehemaligen PH auftraten.

Wenige Wochen zuvor waren BAP in der WDR-Sendung „Kölner Treff“ aufgetreten (dort spielten sie „Verdamp lang her“ und „Jupp“) und mein Arbeitskollege Markus und ich waren völlig begeistert von dieser neuen Gruppe. Als wir erfuhren, daß BAP nach Essen kommt, war für uns klar, daß wir uns diesen Auftritt nicht entgehen lassen würden. Wir versuchten auch unseren Kollegen Dieter zu überreden, mitzukommen. Der winkte aber dankend ab, weil er auf einen „Karnevalsmist“ keinen Bock hatte. Also besorgten Markus und ich uns bei ELPI die Eintrittskarten (10,00 DM!) und fieberten dem 29. Januar 1982 entgegen.

Der 29. Januar 1982 fiel auf einen Freitag. Am Vormittag hatten wir Berufsschule, aber eigentlich nur das eine im Sinn: und zwar das bevorstehende Konzert von BAP. Am späten Nachmittag gegen 17.30 Uhr traf ich mich mit Markus vor seiner Haustür. Mit der Straßenbahnlinie 104 fuhren wir bis zum Stadion Uhlenkrug. Von dort war es nur ein Katzensprung zur Aula der ehemaligen PH. Als wir ankamen, wurden gerade die Türen zum großen Saal geöffnet. Ich war froh darüber, denn draußen war es kalt. Jetzt hatten wir die große Auswahl, wo wir uns hinsetzen konnten. Markus konnte sich aber nicht entscheiden, ob wir uns in der ersten Reihe direkt an die Bühne oder in der ersten Reihe auf dem Balkon hinsetzen sollten. Wir probierten über eine halbe Stunde alle möglichen Sitzgelegenheiten aus, doch Markus konnte sich nicht entscheiden. Als er schließlich der Meinung war, in der ersten Reihe direkt vor der Bühne wäre es wohl am besten, war es längst zu spät. Fast alle attraktiven Plätze waren besetzt und so blieb uns nicht anderes übrig, als das Konzert im Stehen rechts neben der Bühne zu verfolgen. Wie sich wenig später herausstellen sollte, war das eine gute Entscheidung, denn hier konnte man das Geschehen auf der Bühne bestens verfolgen.

Pünktlich um 20.00 Uhr begannen BAP mit ihrem Auftritt. In den nächsten drei Stunden spielten Wolfgang Niedecken und seine Mannen Stücke aus ihren ersten drei LPs, angereichert mit einigen eingedeutschten Liedern von Bob Dylan. Jedes Lied wurde vom Publikum frenetisch gefeiert und als sie „Verdamp lang her“ aufspielten, stand der ganze Saal Kopf. Ebenso wie bei „Jupp“ ließ das Publikum die Feuerzeuge in die Höhe steigen.

Als sich die Gruppe nach über zwei Stunden verabschiedete, wollte Markus gehen. Ich forderte ihn auf, noch einen Moment zu warten, denn das Publikum verlangte vehement nach Zugaben, und die wollte ich mir nicht entgehen lassen. So kam es auch. Es gab eine Zugabe, noch eine Zugabe und dann noch eine....Die Jungs von BAP waren an diesem Abend so gut drauf, daß das ganze Konzert inklusive Zugaben fast drei Stunden dauerte.

Als wir schließlich kurz nach 23.00 Uhr den Saal verließen, waren wir uns einig, daß das Konzert von BAP das beste war, das wir je gesehen haben. In der Tat, in den nachfolgenden Jahrzehnten habe ich noch einige Pop- und Rockkonzerte gesehen. Aber das von BAP am 29. Januar 1982 war eines der besten überhaupt. Ich habe die Gruppe Ende der 1980er Jahre noch einmal in der Grugahalle gesehen, doch so gut wie 1982 waren sie nie wieder. Tja, es ist eben verdamp lang her.
 

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