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Die Legende vom Barbarazweig 

Am 4. Dezember wird hier im Ruhrgebiet der Heiligen Barbara gedacht, die Schutzpatronin der Bergleute. Es war Brauch, an diesem Tag in den Stollen ein Licht brennen zu lassen. Eine weitverbreitete Tradition ist es auch, am Barbaratag einen Kirsch- oder Holunderzweig zu schneiden und in einen geheizten Raum zu stellen. Blüht dieser rechtzeitig zum Weihnachtsfest, gilt dies als gutes Omen für die Zukunft.

Um diesen Zweig rankt sich hier an der Ruhr eine Legende, in der der Bergmann Gottlieb Bäumer und natürlich der Teufel die Hauptrollen spielen.

Vor langer Zeit lebte Gottlieb Bäumer hier an der Ruhr. Er war ein fleißiger Mann, der unermüdlich seine Stollen trieb und Tag für Tag viele Säcke mit Kohle an die Oberfläche beförderte. Er lebte zufrieden und dankte seinem Herrgott, indem er oft zur Kirche ging und betete. Das aber gefiel dem Teufel überhaupt nicht, denn er hätte doch gar zu gern Gottliebs Seele gehabt. Aber es gelang ihm nicht; mißmutig und ärgerlich zog der Teufel durchs Ruhrtal.

Eines Tages aber stieß Gottlieb im Berg auf taubes Gestein. So fleißig er auch arbeitete, er fand keine Kohle mehr. Als der Teufel das sah, frohlockte er und wetzte seine Krallen. Denn welche bessere Gelegenheit gab es, diese Seele zu bekommen. Also verkleidete der Teufel sich als einfacher Bergmann und suchte Gottliebs Bekanntschaft als Arbeitskamerad. Gottlieb Bäumer empfing den Fremden ohne Argwohn und klagte ihm seine schweren Sorgen, hatte er doch Frau und Kind und litt mit ihnen heftige Not. Soviel er auch betete, er fand keine Kohlen mehr - und dies bedeutete für ihn: kein Brot. Er wußte nicht mehr ein noch aus. So flüsterte ihm der Teufel voller List zu: "Wenn Du mir Deine Seele gibst, dann soll Deine Not ein Ende haben. Du brauchst sie mir nur für sieben Jahre zu verschreiben. Niemand erfährt etwas davon. Du wirst bald der reichste Mann an der Ruhr sein und mußt Dich niemals mehr schinden und plagen."

Gottlieb war zuerst sehr erschrocken, als er Luzifers seltsames Angebot hörte. Doch der Teufel lockte listenreich mit goldenen Worten vom künftigen Reichtum, daß Gottliebs Widerstand immer schwächer wurde. Da zog Luzifer auch schon eine gespitzte Feder aus seinem Hut, mit der er den Arm des Bergmanns ritzte. Mit dem ersten Tropfen Blut wurde der Vertrag unterschrieben und war damit geschlossen.

Ohne Zögern löste der Teufel sein Versprechen ein. Am nächsten Tag griff er zur Hacke und räumte in Windeseile die Steine aus dem Stollen fort. Er brauchte nicht einmal Licht dazu, denn seine glühenden Augen erhellten den dunklen Berg. Und dann kam auch die Kohle wieder zum Vorschein. Tag und Nacht brach Luzifer das schwarze Gold aus dem Gestein, und Gottlieb brachte die von neuem gefüllten Säcke fröhlich zu Tage. Bald schaffte er die Arbeit nicht mehr allein; er mußte sich einen Knappen zu Hilfe nehmen. So reichhaltig wie die Kohle aus dem Berg strömte, so reich floß auch Gottlieb das Geld zu. In seinen Truhen und Schränken häuften sich Taler und Dukaten - doch es war Teufelsgeld! Gottlieb fühlte sich nicht mehr wohl in seiner Haut, und so begann er seinen Kummer zu ertränken und lebte in Saus und Braus. Doch er vergaß auch die Armen nicht. Niemand verließ sein Haus, der sich nicht vorher sattgegessen hätte. Jedem Bettler gab er Geld mit vollen Händen; und wer Not litt und Geld brauchte, mußte sich nur an Gottlieb Bäumer wenden.

So vergingen die Jahre. Gottlieb dachte kaum noch an den Teufel. Manchmal vergaß er sogar, wem er seinen Reichtum zu verdanken hatte. Bis Luzifer eines Tages wieder vor ihm stand und ihm höhnisch lachend den unterschriebenen Vertrag vorzeigte: "Die sieben Jahre sind nun vorbei. Nun mußt Du zu mir in die Hölle kommen."

Doch Gottlieb war nicht dumm. "Die Frist ist noch nicht abgelaufen, die ich mit meinem Blut unterschrieb. Heute ist Barbaratag. Noch drei Wochen fehlen an der Zeit. Komm am Heiligen Abend wieder. Dann werde ich mitkommen, wenn ich will." Luzifer lachte schallend: "Wenn Du auch zehnmal nicht mitkommen willst, so bist Du doch auf ewig mein. Gott hilft Dir da auch nicht mehr." Doch Gottlieb verlor nicht den Mut: "Bis dahin wird sich alles finden. Mit Gottes Hilfe gibt es immer noch Rettung." Diese Zuversicht machte den Teufel fürchterlich wütend. Er riß einige Zweige von einem Kirschbaum ab und warf sie Gottlieb mit den Worten hin: "Hier, nimm diese dürren Zweige. Wenn Gott Dir wirklich helfen will, läßt er sie, bis ich wiederkomme, mitten im Winter blühen. Wenn das geschieht, dann will ich ohne Deine Seele fortziehen."
Der Teufel verschwand danach in einer Schwefelwolke und ließ Gottlieb allein zurück. Verzweifelt und hoffnungslos ging Gottlieb nach Hause mit den Zweigen in der Hand. Plötzlich stand ein junges Mädchen in einem weißen Leinenkleid vor ihm. Es war die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Ruhrbergleute. Sie stand vor ihm in einem hellen Licht, das ganze Ruhrtal erstahlte in goldenem Schimmer.
Sie sprach zu Gottlieb, daß er sich mit dem Bösen eingelassen habe, Mond und Sterne deswegen verblassen könnten. Gleichzeitig sprach sie ihm aber Mut zu, da sie gesehen habe, daß er den Pakt mit dem Teufel bereue und seitdem viel Gutes getan habe. Sie gab ihm einen Rat: "Gehe heim und stelle die Zweige in einen mit Wasser gefüllten Krug. Bald werden sich Blüten und Blätter im Überfluß zeigen." Danach verschwand sie, Gottlieb aber tat, was sie ihm geraten hatte. Tatsächlich, nach einigen Tagen sprossen herrliche Blüten und Blätter, obwohl es ein strenger Winter war.

Am Heiligen Abend stellte sich Luzifer pünktlich am vereinbarten Treffpunkt ein. Gottlieb hatte die blühenden Zweige mitgenommen, sie aber unter seinen Mantel versteckt. Der Teufel begrüßte ihn höhnisch: "Beeile Dich, Deine Zeit ist abgelaufen. Jetzt bringe ich Dich in die Hölle. "Nicht so eilig" antwortete Gottlieb, und seine Augen blitzten fröhlich auf. "Ich möchte auf der Erde bleiben, hier gefällt es mir viel zu gut." Da zog der Teufel das blutunterzeichnete Pergament aus seinem Gewand. "Beeile Dich, bald ertönen die ersten Weihnachtsglocken. Dann ist Deine Zeit endgültig abgelaufen." Da zeigte Gottlieb mit frohem Lachen dem Teufel die blühenden Zweige. Dieser stampfte zornig mit seinem Pferdefuß auf, daß feurige Funken nach allen Seiten stoben. Er sah sich die blühenden Zweige genau an, seine Wut wuchs und zornentbrannt wollte er nach Gottlieb greifen.
Doch was war das? Ganz leise erklang die feine Stimme eines Glöckchens, und nach und nach stimmten alle Glocken ein. Das ganze Ruhrtal war von dem mächtigen Weihnachtsläuten erfüllt. Die Kraft des Teufels versiegte, und er verschwand in einer Wolke aus Rauch und Schwefel. Zurück blieb nur das Vertragspergament.

Gottlieb aber lebte noch viele Jahre, in denen er noch so manchen Becher Wein leerte. Der Teufel ließ ihn in Frieden. Doch an jedem Barbaratage stellte Gottlieb Kirschbaumzweige in einen Krug, die immer am Weihnachtstage reich blühten.
Noch heute wird dieser Brauch zu Ehren der Schutzpatronin der Bergleute ausgeübt. In Essen-Borbeck gibt es an der Dionysoskirche einen Ehrenplatz für die heilige Barbara.

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St. Barbara

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Fotos von Claus Salewski
 

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© Hildegard Salewski, 9.2004 - 2014