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Der Gottesfriede 

Von Eickenscheidt Herr Heinrich und Hugo von der Horst,
die rennen mit Schild und Degen gar eilig durch den Forst.
Es liegen die beiden Ritter in Fehde seit langer Zeit,
jetzt wollen sie mit dem Schwert beenden den grimmigen Streit.

"Beim Teufel!" ruft Herr Hugo, der Ritter so wild und keck,
"einer von uns muß fallen allhier auf diesem Fleck!"
Schon rasseln aus der Scheide die Schwerter zum blutigen Tanz,
schon blitzen sie hoch oben im Abendsonnenglanz.

Doch horch, drei Glockentöne, sie hallen den Wald entlang,
das ist vom Turm zu Steele der Abendglocke Klang.
Sie schallt, zur Ruhe mahnend, weithin durchs Tal der Ruhr,
es senkt sich Gottes Friede herab aufs Feld und Flur.

Ihr Ton, er dringt zu Herzen mit stiller Allgewalt,
das Schwert, das schon erhoben, es sinkt zur Erde bald,
wohl kundig sind die Ritter, warum die Glocke tönt,
Herr Heinrich greift zum Hute, er war das so gewöhnt.

Er faltet still die Hände nach frommer Christen Brauch,
das Angelus er betet und dann das Ave auch.
Nun spricht er noch zum Schlusse - er tut es jederzeit -:
"Gelobt sei Jesus Christus, in alle Ewigkeit!"

Und: "Amen!" hallt es leise - das kam von Hugos Mund,
der hat wohl Kampf und Fehde vergessen zur selben Stund.
Er spricht gerührt zum Feinde: "Komm laß uns Freunde sein!
Laß uns den Abendfrieden durch Streit nicht mehr entweihn!"

Und horch! Ein Schlag erdröhnte und hallte den Wald entlang,
das waren zwei deutsche Hände, die gaben so guten Klang.
Und treue Freunde blieben die beiden Ritter fortan,
das hatte mit ihren Klängen die Abendglocke getan.

Wilhelm Harpe (1822 - 1851)
 

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