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Marie-Louise Marjan 

Es gibt Schauspieler, die werden ein Leben lang mit einer Rolle identifiziert. So ist Sean Connery auch noch nach Jahrzehnten immer noch der Mr. Bond oder Christopher Lee der ewige Dracula. Egal, was sie in den darauffolgenden Jahrzehnten auch gespielt haben, die Rolle, mit der sie ihren Durchbruch geschafft haben, wird ihnen ewig anhaften.

Mit einem ähnlichen Image hatte jahrelang Ingel Meysel zu kämpfen. Zwischen 1965-1971 spielte sie in der Fernsehserie "Die Unverbesserlichen" die resolute Käte Scholz. Zwar gab es von "Die Unverbesserlichen" insgesamt nur 7 Episoden (eine Episode pro Jahr), aber die reichten aus, um Inge Meysel auf alle Zeiten auf das Image der "Mutter der Nation" festzulegen. Egal, was die schon seit den 1930er Jahren als Schauspielerin tätig Inge Meysel vor und nach "Die Unverbesserlichen" gemacht hatte, immer nur wurde sie mit ihrer Rolle als Käte Scholz identifiziert.

Wie eine Fügung des Schicksals mag es für sie gewesen sein, als am 8. Dezember 1985 die erste Folge der Endlosserie "Lindenstraße" in die bundesdeutschen Wohnzimmer flimmerte. Zwar brauchte diese Serie eine ganze Weile, bis sie vom Publikum akzeptiert und schließlich verinnerlicht wurde. Aber dann hatte die Bundesrepublik Deutschland eine neue "Mutter der Nation". Diese neue "Mutter der Nation" nannte sich Helga Beimer, gespielt von der bis dahin weitestgehend unbekannten Schauspielerin Marie-Louise Marjan.

Dabei war die Figur der Helga Beimer ebenso wie der Käte Scholz nicht gerade die, die man sich unter einem biederen, dem Ehemann folgsamen und gehorsamen Hausmütterchen vorstellt. Beide Mutterfiguren hatten mit den Tücken des Alltags, etwas tumben Ehemännern und mit nicht gerade folgsamen Nachwuchs zu kämpfen. Als die Lindenstraße den endgültigen Durchbruch beim Publikum schaffte, schien die Figur der Helga Beimer eine Zeitlang eine Eigendynamik zu entwickeln. Wenn die Blätter der Regenbogenpresse über Marie-Louise Marjan berichteten, hieß sie einfach nur Mutter Beimer.

Auf diese ganz große Popularität hatte die am 9. August 1940 als Marlies Lause in Essen geborene Schauspielerin lange warten müssen. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Studium für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. In den 1960er Jahren war sie in erster Linie Theaterschauspielerin an großen Schauspielbühnen wie dem Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Bonn, Staatstheater Karlsruhe, Freie Volksbühne Berlin und Thalia-Theater Hamburg. Obwohl die sehr vielseitige Schauspielerin ab Anfang der 70er Jahre auch in diversen Fernsehproduktionen wie etwa "Smog", "Ein Herz und eine Seele", "Berlin Alexanderplatz", "Tour de Ruhr" und "Tatort" präsent war, konnten nur die wenigsten Zuschauer etwas mit dem Namen Marie-Louise Marjan anfangen.

Erst mit der Rolle als Helga Beimer in der Lindenstraße kam die ganz große Popularität. Mochten die Kritiker noch sehr wie die Rohrspatzen über die Serie meckern, das Publikum liebte sie und allen voran Mutter Beimer. Diese Rolle brachte ihr auch diverse Auszeichnungen ein, wie etwa "Bambi, "Telestar", "Goldene Kamera" und ein Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Aufgrund ihrer immensen Popularität bekam sie Hauptrollen in diversen Fernsehfilmen oder speziell auf sie zugeschnittene Specials.

Seit nun mehr 24 Jahren läuft die Serie und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Zwar hat das Publikumsinteresse mittlerweile etwas nachgelassen (was vielleicht daran liegt, daß die Privatsender ab Anfang der 1990er Jahre mit sogenannten Daily Soaps konterten, die allerdings so platt sind, daß die Lindenstraße dagegen wie bildende Kunst wirkt), doch finden die Episoden Sonntag für Sonntag nach wie vor ihr Publikum. Großen Anteil am Erfolg daran hat mit Sicherheit die seit der ersten Folge mitwirkenden Marie-Louise Marjan. Wenn sie eines Tages nicht mehr mit von der Partie ist, dürfte das auch das Ende der Serie bedeuten.
 

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© Hildegard Salewski, 9.2004 - 2014