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Otto Rehhagel

Eine der ganz großen Persönlichkeiten des deutschen Fußballs ist ohne Frage der am 09. August 1938 in Essen geborene Otto Rehhagel.

Seine sportliche Karriere begann der Altenessener bei TuS Helene. In den späten 50er Jahren wechselte er zu Rot-Weiß Essen, wo er seine Profikarriere begann. Nachdem der deutsche Meister von 1955 in der Saison 1960/61 aus der Oberliga West abgestiegen war und keine Möglichkeit hatte, sich für die 1963 startende Bundesliga zu qualifizieren, wechselte Otto Rehhagel zu Hertha BSC Berlin.

Da Hertha BSC gegen die damals peinlichst genau beachteten Bundesligastatuten verstieß - um namhafte Spieler an den damals nicht attraktiven Spielort Berlin zu locken, wurden überhöhte Ablösesummen und Handgelder gezahlt -, wurde der Verein aus der Bundesliga verbannt. Nach dem Zwangsabstieg wechselte Otto Rehhagel zum 1. FC Kaiserslautern, wo er bis zu seinem Karriereende 1972 spielte.

Was ihm als Spieler nie gelang, schaffte er als Trainer, nämlich zu den ganz großen im deutschen und internationalen Fußball zu gehören. Allerdings war es ein weiter Weg bis dahin. Nach seiner aktiven Karriere als Fußballer war er zunächst Assistenztrainer beim 1. FC Saarbrücken und bei Kickers Offenbach. Dort beerbte er im April 1974 Gyula Lorant. Bis Dezember 1980 waren seine weiteren Stationen Werder Bremen, Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf. In jenen Jahren galt Otto Rehhagel als sogenannter Feuerwehrmann, der immer dann engagiert wurde, wenn ein Verein gegen den Abstieg kämpfte und durch einen Trainerwechsel den Absturz verhindern wollte. Den wohl schwärzesten Tag seiner Trainerkarriere erlebte er am letzten Spieltag der Saison 1977/78 als Trainer von Borussia Dortmund. An jenem Spieltag lag der 1. FC Köln aufgrund des besseren Torverhältnis vor Borussia Mönchengladbach auf dem ersten Platz. Wenn Borussia Mönchengladbach noch seinen vierten Meistertitel in Folge perfekt machen wollte, mußten sie an diesem letzten Spieltag möglichst hoch gewinnen. Und das taten sie auch. Der Verein vom Niederrhein demontierte im Düsseldorfer Rheinstadion die Mannschaft aus dem östlichen Ruhrgebiet regelrecht und schickte sie mit 0:12 heim. Dieser Sieg nutzte den Mönchengladbachern allerdings nicht viel, da der 1. FC Köln gleichzeitig mit 4:0 beim Absteiger FC Sankt Pauli gewann und seinen dritten Meistertitel nach 1962 und 1964 perfekt machte. Der 12:0 Sieg der Mönchengladbacher gegen eine völlig passive Dortmunder Mannschaft machte viele Zeitgenossen stutzig. Von Betrug und Absprache war die Rede. Was natürlich kompletter Unsinn war, denn weder Borussia Mönchengladbach noch Borussia Dortmund hätten es nötig gehabt, ein Spiel zu manipulieren (zumal Borussia Mönchengladbach im Gegensatz zu Borussia Dortmund damals über eine Mannschaft von internationaler Klasse verfügte). Bei Borussia Dortmund war der Schuldige für dieses Debakel schnell gefunden: Trainer Otto Rehhagel, der nach dem Spiel umgehend seine Kündigung bekam. Viele Experten waren schon der Meinung, daß nach diesem Desaster die Karriere des Otto Rehhagel beendet sei.

Nach den weiteren Stationen Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf übernahm er im April 1981 zum zweiten Mal den Posten des Cheftrainers bei Werder Bremen. Die Zeiten bei Werder Bremen hatten sich geändert. Nach dem Gewinn der Meisterschaft 1965 hatte der Verein mit Gewalt versucht, an diesen Erfolg anzuknüpfen. Vor allem in den 1970er Jahren gab der Verein Unsummen an Geld für Spieler aus, um oben mitzuspielen. Mehr als Plazierungen um Platz 12 kam dabei nicht heraus. Das Ende vom Lied war der Abstieg in die 2. Bundesliga Nord in der Saison 1980/81. In dieser Zeit übernahmen neue Leute die Geschicke des norddeutschen Traditionsvereins und unter der Leitung von Willi Lemke wurden professionelle Strukturen eingeführt. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Unter der sportlichen Leitung von Otto Rehhagel stieg Werder Bremen umgehend wieder in die Bundesliga auf, und es begann eine 14 Jahre sehr erfolgreich andauernde Zusammenarbeit zwischen dem Verein und Otto Rehhagel. Gleich im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg konnte sich Werder gleich in der Spitzengruppe etablieren. In den kommenden Jahren erwies sich Werder Bremen als potentieller Meisterschaftskandidat und war zeitweise der einzig ernstzunehmende Konkurrent vom Serienmeister Bayern München. Als erste Krönung folgte 1988 die deutsche Meisterschaft. Das Geheimnis des Erfolges war, daß die Vereinsführung Otto Rehhagel völlig freie Hand ließ und sich diskret im Hintergrund hielt. Immer wieder gelang ihm das Kunststück, aus älteren, gestandenen Spielern und jungen Talenten eine homogene Mannschaft zu formen. Selbst die Abgänge von Leistungsträgern wie z.B. Rudi Völler konnten problemlos kompensiert werden. So sind die weiteren Titel (Meister 1993, Pokalsieger 1991 und 1994 und der Europapokal der Pokalsieger 1992) das Ergebnis der seriösen Arbeit von Willi Lemke und der sportlichen Kompetenz des Otto Rehhagel.

Die Saison 1994/95 sollte seine letzte Saison bei Werder Bremen sein, die fast mit einer weiteren Meisterschaft geendet hätte (am letzten Spieltag sicherte sich Borussia Dortmund den Titel). Er wechselte zum FC Bayern München. Hier schlug ihm ein anderer, ein rauher Wind entgegen. Bei den auf Erfolg programmierten Bayern konnte er nicht so schalten und walten, wie er es bei Werder Bremen gewohnt war, und so mußte er im April 1996 wieder die Trainerbank räumen. Franz Beckenbauer übernahm für den Rest der Saison das Training.

Die Konkurrenz aus Dortmund ließ sich aber durch den zum Kaiser mutierten Franz Beckenbauer nicht schocken und wurde zum zweiten Mal hintereinander Meister. Trost fanden die Anhänger des FC Bayern München darin, daß ihr Verein im gleichen Jahr sich den UEFA-Cup sicherte. Die Medien feierten zwar Franz Beckenbauer als den großen Triumphator, doch in Wirklichkeit ist Otto Rehhagel der Vater dieses Erfolges.

Zur Überraschung aller Experten und Fußballfreunde übernahm Otto Rehhagel keinen Trainerposten bei einem Spitzenverein, sondern wechselte zum eben aus der Bundesliga abgestiegenen 1. FC Kaiserslautern. Hier legte Otto Rehhagel mit seiner Mannschaft eine spektakuläre Leistung hin, die einmalig ist in der Geschichte des deutschen Fußballs. 1997 folgte der sofortige Wiederaufstieg und nur ein Jahr später wurde der 1. FC Kaiserslautern deutscher Meister! Bis Oktober 2000 blieb Otto Rehhagel Trainer des 1. FC Kaiserslautern.

Als man schon glaubte, der mittlerweile fast 63jährige würde sich nun ins Privatleben zurückziehen, sah sich getäuscht.
Zur Überraschung der Fußballwelt übernahm er im August 2001 das Amt des griechischen Nationaltrainers. Sein Debüt als Trainer der griechischen Auswahl endete am 05. September 2001 mit der 1:5 Niederlage gegen Finnland in der WM-Qualifikation und am Ende konnten sich die Griechen nicht für die Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea qualifizieren. Dafür schafften sie aber den Sprung zur Europameisterschaft 2004 in Portugal.
Hier sorgten sie wohl für die größte Sensation in der Geschichte dieses Wettbewerbs: als krasser Außenseiter gewannen sie am 04. Juli 2004 das Endspiel gegen Gastgeber Portugal mit 1:0. Zwar bot die Mannschaft von Otto Rehhagel wenig attraktiven Fußball, trotzdem war der Gewinn der Europameisterschaft nicht unverdient. Der Jubel in Griechenland war selbstverständlich riesengroß und so machte die dortige Presse aus König Otto einen antiken Helden, den „Rehakles“.

Im gleichen Jahr wurde er zum Welttrainer des Jahres gewählt. Als Trainer war er nun gefragt wie nie zuvor. Nach dem enttäuschenden Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2002 und dem freiwilligen Abgang von Rudi Völler warb der DFB heftig um Otto Rehhagel. Dieser lehnte aber ab, weil er beim griechischen Verband noch bis 2006 unter Vertrag stand und der griechische Fußballverband alles unternahm, um seinen Startrainer langfristig zu binden.

Das Glück war nicht immer auf Otto Rehhagels Seite. Zwar konnte sich Griechenland für die Europameister 2008 in der Schweiz und Österreich qualifizieren, schied aber als Titelverteidiger in der Vorrunde sang- und klanglos aus.

Bleibt abzuwarten, ob Griechenland die letzte Trainerstation des sehr vitalen Seniors sein wird.

Hier noch ein paar Zahlen seiner beeindruckenden Karriere:

 

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