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Willi Multhaupt 

Einer der erfolgreichsten Trainer aus der Anfangszeit der Bundesliga ist der am 19.07.1903 in Essen geborene Willi Multhaup. Seine Eltern betrieben am Salzmarkt ein Fischgeschäft, daher sein Spitzname "Fischken".

Als Spieler konnte er sich unter anderem bei Schwarz-Weiß Essen einen Namen machen. Seinen ersten Trainerposten übernahm er 1947 bei Preußen Münster, die er auf Anhieb in die Oberliga West West führte. Der Höhepunkt seiner Tätigkeit in Münster war der 30. Juni 1951, als die Preußen im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft standen. Allerdings mußte sich die Mannschaft aus der Münsterländer Metropole der Startruppe des 1. FC Kaiserslautern knapp mit 1:2 geschlagen geben. In den kommenden Jahren trainierte er den VFB Bottrop, Rot-Weiß Essen und den Meidericher SV.

Ausgerechnet mit Rot-Weiß Essen, dem sympathischen und liebenswerten Verein aus seiner Heimatstadt, erlebte er als Trainer ein sportliches Fiasko. Als die Qualifikation für die neugeschaffene Bundesliga immer näher rückte, stieg er mit dem Verein in der Saison 1960/61 aus der Oberliga West ab. Dieses Kunststück gelang ihm daraufhin mit dem Meidericher SV, die er in der alles entscheidenden Saison 1962/63 auf den dritten Platz der Oberliga West und damit direkt in die Bundesliga führte. Der Meidericher SV rechtfertigte seine Berücksichtigung zur Bundesliga damit, daß sie in der ersten Saison 1963/64 hinter dem 1. FC Köln auf dem 2. Platz landeten. Allerdings war Willi Multhaup in dieser Saison schon nicht mehr Trainer der Duisburger (den Posten bekleidete Rudi Gutendorf). Ihn hatte es nach Bremen zum SV Werder verschlagen.

Werder Bremen war ein Verein, der bei den Fußballexperten nicht gerade hoch im Kurs stand und eher als Abstiegskandidat galt. Im ersten Jahr landete der Verein von der Weser auf einen guten 10. Platz und für viele Experten waren die Werderaner im zweiten Jahr ein potentieller Abstiegskandidat. Dies schien sich gleich am ersten Spieltag zu bestätigen, als die Multhaup-Elf gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 1:2 verlor. Aber in der Folgezeit zeigte die Mannschaft, welches Potential in ihr steckte. Am vorletzten Spieltag sicherte sich Werder Bremen durch einen 3:0 Sieg gegen Borussia Dortmund vorzeitig die Meisterschaft. Das Geheimnis des Erfolges war die äußerst stabile Abwehr: In den 30 Spielen der Saison (damals spielten noch 16 Vereine in der höchsten Spielklasse) ließ die Werder-Abwehr rund um Horst-Dieter Höttges (einer der Weltmeister von 1974), Heinz Steinman und Günter Bernard gerade einmal 29 Gegentore zu.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, daß der SV Werder Bremen einen Großteil seiner Erfolge Essener Trainern zu verdanken hat: Neben Willi Multhaup erwies sich Otto Rehagel mit 2 Meisterschaften (1988 und 1994), 2 Pokalsiegen (1991 und 1994) und dem Europapokal der Pokalsieger (1992) als echter Meistermacher.

Trotz dieses Triumphes verließ Willi Multhaup den SV Werder Bremen nach nur einer Spielzeit. Ihn zog es zu Borussia Dortmund, mit 3 Meisterschaften der erfolgreichste Nachkriegsverein. Der ambitionierte Verein aus dem östlichen Ruhrgebiet strebte nach dem Pokalsieg in der Saison 1964/65 die vierte Meisterschaft an. Lange Zeit sah es auch so aus, als wenn die Dortmunder am Ende der Saison die Meisterschale in Empfang nehmen könnte. Durch die Zusatzbelastung der Spiele im Europapokal der Pokalsieger schwanden auf der Zielgerade der Meisterschaft der Startruppe aus Dortmund die Kräfte, und sie landeten am Ende auf dem 2. Platz. Allerdings triumphierte die Mannschaft von Willi Multhaup auf internationaler Ebene: Am 05.05.1966 besiegten sie in Glasgow im Endspiel um den Europapokal der Pokalsieger den haushohen Favoriten FC Liverpool mit 2:1 und holten damit als erste deutsche Mannschaft einen Europapokal.

Auch bei Borussia Dortmund hielt es Willi Multhaup nur ein Jahr aus. Er ging zum 1. FC Köln, der mit Wolfgang Overath, Wolfgang Weber, Hennes Löhr, Fritz Sturm, Karl-Heinz Thielen, Matthias Hemmersbach, Heinz Hornig, Roger Magnuson und Milutin Soskic über hochkarätige Namen verfügte. Trotz des ausgezeichneten Kaders gelang es Willi Multhaupt nicht, die Kölner zum erhofften Titelgewinn zu führen. Am Ende landete der FC auf einen, gemessen an den hohen Erwartungen, enttäuschenden siebten Platz.

Eintracht Braunschweig sicherte sich zur Überraschung aller Experten ohne große Stars, dafür aber mit mannschaftlicher Geschlossenheit den Titel (ähnlich wie zwei Jahre zuvor der SV Werder Bremen unter der Regie von Willi Multhaup).

Auch in der folgenden Saison war es Willi Multhaup nicht vergönnt, seine Mannschaft zum dritten Titelgewinn (nach 1962 und 1964) zu führen. Am Ende der Saison 1967/68 belegte der 1. FC Köln immerhin einen guten 4. Platz (Meister wurde der 1. FC Nürnberg, der nur ein Jahr nach dem Titelgewinn aus der Bundesliga abstieg). Trotzdem konnten die Kölner in dieser Saison jubeln: Am 09.06.1968 besiegte der 1. FC Köln im Pokalendspiel in Ludwigshafen die Überraschungsmannschaft vom Zweitligisten VFL Bochum mit 4:1. Dies war gleichzeitig das letzte Spiel von Willi Multhaup als Trainer, der sich aus dem Trainergeschäft zurückzog und anschließend in Essen und Dortmund erfolgreich zwei Fachgeschäfte für Herrenmode betrieb. Nur noch einmal trat er kurzfristig als Trainer in Erscheinung, als er die Mannschaft vom SV Werder Bremen nach der Entlassung von Robert Gebhardt zwischen dem 27.09.1971 und 24.10.1971 als Interimstrainer betreute.

Am 18.12.1982 starb Willi Multhaup im Alter von 79 Jahren.

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